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Pharmawerbung für Fachkreise

Daß die Bewerbung von Arzneimitteln in der Publikumswerbung problembehaftet ist, ist unmittelbar einleuchtend. Rechtliche Bedenken können aber auch dann bestehen, wenn sich eine Werbemaßnahme an das Fachpublikum richtet. Mit einer derartigen Konstellation hatte sich jüngst das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) zu befassen (Urteil vom 10.08.2006, Az.: 3 U 30/06).

Die Parteien des dortigen Verfahrens waren Pharmaunternehmen und stritten um die Werbung für ein Homöopathikum, welches in einer Apothekerzeitung wie folgt beworben worden war:

„Alle Medien reden von ADHS – bis zu 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind von dem sogenannten „Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom“ betroffen.

Und noch bis zu 2 Millionen Kinder und Jugendliche leiden unter einem gesteigerten Bewegungsdrang, sind unruhig, zappelig und unkonzentriert – ohne, dass sie ADHS haben.

Die meisten Eltern dieser Kinder wünschen sich eine sanfte Therapie ohne Chemie. Jetzt gibt es Z... – das Komplex-Homöopathikum mit klinisch nachgewiesener Wirksamkeit* bei allen Ausprägungen der Überaktivität und zur natürlichen Behandlung unruhiger, zappeliger und unkonzentrierter Kinder ...“

In dieser Anzeige wurde auf eine „prospektive 2-armige Kohortenstudie Z... vs. h..., W... Arzneimittel 2005, publication in process“ verwiesen sowie eine entsprechende Grafik dargestellt.

In dem Verfahren ging es nunmehr um die Rechtmäßigkeit einer entsprechenden Werbung. Die Berufung gegen das landgerichtliche Urteil, welches die Werbung weitgehend für unzulässig gehalten hatte, hatte dabei überwiegend keinen Erfolg.

Landgericht wie nunmehr auch OLG sahen die Darstellung einer nachgewiesenen Wirksamkeit wie auch die Darstellung einer entsprechenden Grafik als wettbewerbswidrig an. Gemäß § 3 des Heilmittelwerbegesetzes (HWG) ist die irreführende Werbung für Arzneimittel unzulässig, wobei die Irreführung sich insbesondere daraus ergeben kann, daß unwahre Tatsachen über die Beschaffenheit von Arzneimitteln gemacht werden.

Hierbei sieht der „durchschnittliche“ Arzt oder Apotheker – nach Ansicht des Gerichts – in der entsprechenden grafischen Darstellung einen wissenschaftlich hinreichenden Beleg für eine gleichwertige Wirkung zwischen dem Homöopathikum und dem allopathischen Arzneimittel; dies könne sich auch aus einem etwa gleichen Verlauf von zwei Kurven ergeben und bedrüfe nicht explizit einer textlichen Darstellung.

Eine solche Validität der Ergebnisse lag aber nach den gerichtlichen Feststellungen im vorliegenden Verfahren nicht vor, auch wenn von der Herstellerin des Homöopathikums angeführt wurde, daß klinische Wirksamkeitsnachweise hierfür überhaupt nicht erforderlich seien.

Durch die entsprechende vergleichende Darstellung würde aber jedenfalls der Eindruck erweckt, daß hier – bei einem solchen Werbevergleich – die Maßstäbe für entsprechende vergleichende Studien angelegt worden seien, was beispielsweise einen doppelblindes Studiendesign oder eine Placebokontrolle voraussetzt.

Die Herstellerin des Homöopathikums hat hier nach Ansicht des Gerichts die Aufnahmefähigkeit der entsprechenden Angehörigen der Fachkreise sicher zu hoch angesetzt, wenn sie davon ausging, daß „die Fachkreise ... um die Unterschiede zwischen allopathischen und homöopathischen Arzneimitteln“ wüßten. Diesem Argument ist das Gericht deswegen nicht gefolgt, weil hier gerade ein entsprechender Vergleich Gegenstand der Darstellung war, so daß auch die Angehörigen der Fachkreise davon ausgehen durften, ein entsprechendes Studiendesign entspreche aktuellen wissenschaftlichen Maßstäben. Diesen Eindruck hat die pharmazeutische Unternehmerin in ihrer Außendarstellung nicht hinreichend zu vermeiden vermocht, so daß das OLG von der Wettbewerbswidrigkeit einer entsprechenden Werbemaßnahme ausgegangen war.

10.04.2007


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