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Werbung kann auch Ärzte irreführen

In diesem Rechtsstreit ging es um einen Unterlassungsanspruch eines pharmazeutischen Unternehmens, welches Antibiotika herstellte. Dieses wendete sich gegen den Hersteller des bekannten Präparates „Gelomyrtol forte“, der sein Produkt mit der Angabe „So wirksam wie ein Antibiotikum“ bewarb.

Eine solche Werbung sah das Oberlandesgericht auch dann als irreführend an, wenn sich die Werbung selbst lediglich an Ärzte und nicht an sonstige Personen außerhalb der Fachkreise wendet. Da es zwischen den Parteien des Rechtsstreites unstreitig war, daß sich mit dem Präparat „Gelomyrtol forte“ nicht dieselbe therapeutische Wirkung erzielen lasse wie durch die Vergabe eines Antibiotikums, war von Seiten des Gerichtes nur noch die Frage zu beantworten, wie die entsprechende Aussage in der Werbung des Unternehmens von unvoreingenommenen Ärzten aufgefaßt wird. Hierzu hat das Gericht eine Befragung mehrerer hundert Ärzte veranlaßt, wie diese die Aussage auffaßten. Für die Annahme der Irreführung ist es für ausreichend erachtet worden, daß zwischen 1/4 und 1/3 der Befragten der Meinung waren, sie erzielten bei den gleichen Indikationen und Patientenfällen generell das gleiche therapeutische Ergebnis bei der Vergabe von „Gelomyrtol forte“ wie bei dem Einsatz eines Antibiotikums.

Da dies aber unstreitig nicht der Fall ist und „Gelomyrtol forte“ nicht die Wirkungen eines Antibiotikums zukommen, war der Unterlassungsanspruch begründet.

Generell kann das Urteil dazu dienen, auch die Zulässigkeit von Werbemaßnahmen kritisch zu überdenken, die sich nicht an Personen außerhalb der Fachkreise, sondern gerade an Ärzte wenden. Auch hierbei ist es nämlich grundsätzlich möglich, daß der Empfänger einer Werbung irregeführt werden kann.

Für jegliche Werbemaßnahmen – sei es inner- oder außerhalb der Fachkreise – hat daher als Kriterium die sachliche Richtigkeit der Aussage zu gelten. Andernfalls läuft der Anzeigenschalter Gefahr, im Rahmen einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung auf Unterlassung in Anspruch genommen zu werden.

21.03.2005


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